„Ich lasse Dich nicht los, wenn Du mich nicht segnest.“
Muß man mit Gott ringen, um seinen Segen zu erlangen? Ihn festhalten? Ja gar: Ihn besiegen?
„Ich lasse Dich nicht los, wenn Du mich nicht segnest.“
Die Geschichte beginnt in der Nacht. Nachdem Frauen, Söhne und alles andere über die Furt gebracht sind, beginnt vollkommen überraschend und unangekündigt ein Ringkampf. Aus dem Nichts taucht ein Gegner auf, der es auf Jakob abgesehen hat.
Und Jakob und sein Gegner ringen miteinander Stunde um Stunde. Bis zum Morgenaufgang.
Dann wird Jakob von seinem Gegner gefoult. Anders ist Jakob scheinbar nicht zu besiegen. Aber dennoch hat Jakob die Kraft, den Gegner so niederzuringen, dass er nicht fliehen kann.
Aber statt zu fragen: „Warum hast Du mich angegriffen?“ äußert Jakob eine unerwartete Bitte an seinen Gegner:
„Ich lasse Dich nicht los, wenn Du mich nicht segnest.“
Die ebenso unerwartbare Reaktion des Gegners ist die Frage: „Wie heißt Du?“
„Jakob“
Und mit diesem Namen offenbart sich Jakob selber, legt ein Bekenntnis ab, läßt die Hosen runter, wird nackt.
Denn der Name Jakob heißt übersetzt: „Der Hinterlistige“.
Und mit Hinterlist, von der schon sein Name erzählt, ist Jakob durchaus vertraut. Er hatte schon seinen Bruder Esau am Sterbebett des gemeinsamen Vaters Isaak um den väterlichen Segen für den Erstgeborenen betrogen.
„Ich lasse dich nicht los, wenn Du mich nicht segnest.“
Jakob scheint des Segens sehr bedürftig. Immer wieder. Und er bekommt, was er bedarf.
Und aus Jakob, dem Hinterlistigen, wird Israel, der Gottesstreiter.
„Ich lasse Dich nicht los, wenn Du mich nicht segnest.“
Auch wir ringen immer wieder mit Gott. Häufig genug in der Nacht, in Zeiten, in denen es Nacht ist in uns.
Jedes Gebet: Ein Ringen mit Gott. Flehend: „Wie Weihrauch steige auf mein Gebet zu Dir Herr.“
Auch wir sind des Segens Gottes bedürftig. Wir stellen uns vor Gott und zeigen unsere nackte Bedürftigkeit, uns selbst, wie wir sind, mit all unseren Fehlern, unserer Ohnmacht, unseren körperlichen und seelischen Krankheiten.
Und die wärmende Sonne geht uns auf, wenn wir seinen Segen empfangen dürfen. Wenn Gottes Heil uns spürbare Realität wird.
„Ich lasse Dich nicht los, wenn Du mich nicht segnest.“