Heute vor 138 Jahren wurde auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (1869/1870) unter Papst Pius IX. ( 1846-1878 ) die Unfehlbarkeit und die oberste Richtergewalt des Bischofs von Rom beschlossen. Der Widerstand gegen diese in Schrift und Tradition nicht begründbaren Glaubensgrundsätze und die Exkommunikation der Gegner dieser Entscheidung waren der Anlass für die Entstehung der Alt-Katholischen Kirche.
Schon kurz nach der Exkommunikation schlossen sich die Ausgeschlossenen zu eigenen Gemeinden zusammen und legten ein enormes Reform-Tempo an den Tag. Ein eigener Bischof wurde gewählt und geweiht, die Synodalität (also das Mitsprache- und Mitbestimmungsrecht aller Kirchenmitglieder) wurde die Grundstruktur der Kirche, die verpflichtende Ohrenbeichte und der verpflichtende Zölibat wurden abgeschafft, die Landessprache in den Gottesdiensten dafür eingeführt. Schnell kam es auch zu engen ökumenischen Gesprächen mit den anderen Konfessionen bis hin schließlich zur Kirchengemeinschaft u.a. mit der Anglikanischen Kirchengemeinschaft und zur gegenseitigen Einladung zum Abendmahl/zur Eucharistie mit der Evangelischen Kirche.
Eine der letzten Reformen war die Einführung der Frauenordination, also der Möglichkeit, dass Frauen Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen werden können (vgl. u.a. “Anja Goller fünfte Alt-Katholische Priesterin in Deutschland“).
Genau wie die Anglikanischen Kirchen sind die Alt-Katholischen Kirchen von Rom unabhängige Kirchen, die darauf bauen, dass Gottes Geist in allen Christenmenschen wirkt, und daher auch alle gemeinsam den Weg der Kirche bestimmen. Erst dadurch konnten diese Reformen in die Gänge kommen.
Die konservativ-traditionalistischen Anglikaner, welche sich derzeit angeblich zu überlegen scheinen, der anglikanischen Kirche den Rücken zu kehren und sich der römisch-katholischen Kirche anzuschließen (vgl. “Anglikanische Massenkonversion zur Römisch-Katholischen Kirche geplant?“) sollten das bedenken. Sie müssen mit diesem Schritt ein “ex sese, non ex consenus ecclesiae” (aus sich selbst heraus, und nicht aufgrund der Zustimmung der Kirche) unfehlbares Oberhaupt in Rom akzeptieren, und würden damit ihre sämtlichen Mitbestimmungsrechte innerhalb der Kirche aufgeben. – Sie würden also lieber die Selbstbestimmung und die Freiheit des Christenmenschen aufgeben, als eine Frau als Bischöfin akzeptieren.
Die in der anglikanischen Kirche gespendeten Weihen wären im übrigen ebenfalls nicht gültig; die übertretenden Priester und Bischöfe müssten sich daher erneut weihen lassen (was allerdings nicht absolut ungewöhnlich wäre, selbst wenn diese verheiratet sind und Kinder haben; lediglich die Bischöfe müssten sich darauf einstellen, “nur” noch als Priester arbeiten zu können, nicht mehr als Bischöfe). Vielleicht ist ja ein Interview des Bamberger römisch-katholischen Bischofs Ludwig Schick mit der dortigen Tageszeitung “Fränkischer Tag”, welches vom Kölner Domradio zitiert wird, ein erster Hinweis in diese Richtung: er sagte darin, dass er sich gut vorstellen könne, dass es in Zukunft mehr verheiratete Priester in der römisch-katholischen Kirche geben werde, als dies bisher der Fall sei (vgl. “Ausnahmen bestätigen die Regel – Schick: Künftig mehr verheiratete Priester vorstellbar“).
Foto: robot matsuri! – Motiv: Papst Pius IX. – Quelle: www.flickr.de
1 Antwort zu “Papst seit 138 Jahren unfehlbar”