Da haben sie den Mund mal wieder zu voll genommen, die Herren der Schöpfung. Bezeichnend die schon pathetisch klingenden Worte des Petrus: „Und wenn ich mit Dir sterben müsste – ich werde Dich nicht verleugnen.“
Sowas kommt leicht über die Lippe. Es einzulösen ist dann aber immer eine andere Geschichte.
Später wird nach der Überlieferung des Evangelisten Markus nicht ein einziger der Apostel unterm Kreuz des Herrn stehen. Alleine die Frauen werden in der Nähe sein. Diejenigen, von denen vorher keine solch vollmundigen Versprechen und Schwüre zu hören waren.
Nicht die Worte sind das, was am Ende zählt, sondern die Taten.
Für mich wird hier ein allgemein menschliches Grundmuster deutlich, welches wir in der Politik, aber auch in der Kirche oder im persönlichen Umfeld, und nicht zuletzt auch immer wieder bei uns selber erkennen müssen. Es werden Dinge versprochen, auf Treu und Glaube zugesichert – aber wenn es dann zum Ernstfall kommt, lösen sich die Versprechen und guten Vorsätze in Wohlgefallen auf.
Besonders nahe gegangen ist mir dieser Gedanke im Zusammenhang mit einem Bericht, den ich vorgestern in den Tagesthemen gesehen habe: Das Grundnahrungsmittel Mais ist in den letzten Monaten für die armen Menschen in Mexiko und auch anderen Ländern auf einmal erheblich teurer geworden.
Und der Grund liegt nicht darin, dass nicht genug Mais da wäre, um den Bedarf zu stillen, der als preiswertes Nahrungsmittel abgedeckt werden müsste. Sondern der Grund liegt darin, dass auf Grund des immer knapper und damit teurer werdenden Erdöls auf der einen Seite und aus Klimaschutzgründen auf der anderen Seite immer mehr Bio-Sprit aus dem Mais hergestellt wird. Bis 2020 soll beispielsweise hier in Deutschland erreicht werden, dass dem Treibstoff 20% Bio-Sprit beigemengt wird.
Die durch diese Entwicklung verursachte rasant gestiegene Nachfrage hat automatisch einen wesentlich höheren Preis nach sich gezogen. Der Preis für Mais hat sich über dieser Entwicklung in Jahresfrist fast verdoppelt.
In der Folge können beispielsweise die mexikanischen Bauern bereits jetzt keinen Mais mehr anbauen, weil sie sich schlicht das teure Saatgut nicht mehr leisten können. Und Entwicklungshilfe-Programme wie das UN-Welternährungs-programm sind auf einmal mit dem Problem konfrontiert, zusätzlich erheblich höhere finanzielle Unterstützung zu benötigen oder aber die bislang geleisteten Hilfeleistungen in Hungergebieten reduzieren zu müssen, weil sie sich nicht mehr so viel Mais leisten können.
Ich bin mir sicher: Jede und jeder von uns, vom hochrangigen Politiker bis zum kleinen Angestellten wird wohl mit voller Überzeugung sagen, dass alles erdenklich mögliche getan werden muss, um den Hunger auf Erden zu stillen und niemanden verhungern zu lassen.
Aber wer von uns, von Industrie und Politik, wird jetzt auch tatsächlich seine Auto-Mobilität einschränken, weil wir eben keinen Biosprit aus Nahrungsmitteln gewinnen dürfen? Ich fürchte, die Räder rollen weiter wie bisher. Uns, der Industrie und der Politik fallen wahrscheinlich dann doch wieder tausende von Argumenten ein, warum das mit dem Biosprit doch eigentlich eine sehr gute Sache ist. Und sei es nur, dass wir ja unsere Wirtschaft am Laufen halten müssen, damit wir im Vergleich zu anderen Ländern nicht ins Hintertreffen geraten. Ich bin überzeugt, dass es durchaus triftig scheinende Argumente sein werden, die uns da einfallen.
Aber wir müssen uns dann natürlich die Frage gefallen lassen, ob wir nicht genau das gleiche machen, wie es uns von Petrus und seinen Jüngern im heutigen Lesungstext vorgeführt wird. Auf der einen Seite den Mund voll nehmen, aber den Versprechen dann keine konsequenten Taten folgen lassen. Denn, um es ganz konkret und plastisch werden zu lassen: Um eine einzige durchschnittliche Tankfüllung mit Bio-Sprit vollzutanken, muß so viel Mais verbraucht werden, dass davon ein Kind ein ganzes Jahr lang leben könnte.
Jean Ziegler, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung, hat diese Tatsache knapp auf folgende Formel gebracht: „Die hungernden Menschen bezahlen zu lassen für die Luxus-Mentalität im Transportsektor im reichen Norden, das ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“
Das Evangelium stellt uns in Frage. Immer wieder. Gott sei Dank.
Foto: GerdaB. – Quelle: www.pixelquelle.de
sehr gut aber scheiße