Selbstlosigkeit der Gabe – Andacht zu Markus 12,41-44

kircheundgeld.jpgKennen Sie dieses Kärtchen? (Ich halte die “KirchenCard” hoch) Nein?

Das ist eine so genannte „KirchenCard“. Es ist eine der Blüten, die mein Berufszweig des Fundraising so manchmal treibt.

Man kann diese Karte gegen eine “Spende” von mindestens 5,50 Euro pro Monat zuzüglich einer Verwaltungsgebühr von 2 Euro pro Monat bei der „Stiftung Gemeindespendenwerk“ im Kirchenkreis Hattingen-Witten, Evangelische Kirche von Westfalen, bekommen.

Der Besitzer einer solchen KirchenCard kann damit in über 27.000 Geschäften in ganz Deutschland Rabatte auf Waren erhalten. Teilweise bis zu 30%, wie beispielsweise beim Kauf eines Fiat Panda. Da kann man leicht mehrere tausend Euro sparen.

Was hat nun der eben gehörte Textabschnitt aus dem Markus-Evangelium mit dieser KirchenCard zu tun? Ich finde: Sehr viel. – Denn bei beiden geht es um das Thema „Selbstlosigkeit“.

Die von Jesus beobachtete Witwe zeigt ein Verhalten, wo mir der Begriff „Selbstlosigkeit“ recht leicht über die Lippen kommt. Zwar weiß ich nichts von den Beweggründen, welche die Frau zu ihrem Tun motivieren. Und vielleicht ist sie sich selber auch nicht unbedingt über alle ihre Motive bewusst. Aber egal warum: Sie gibt, und zwar ohne viel Aufhebens, ohne eine offensichtliche Gegenleistung zu erwarten, ja, sogar so viel, dass sie selbst sich einschränken muss, um diese Gabe spenden zu können.

Viele, auch von uns, könnten von ihrem Überfluss abgeben – und ein Teil tut nicht mal das. Hier aber gibt eine Frau nicht viel, und doch alles. Die erwähnten zwei Münzen sind ein sehr geringer Betrag, aber sie sind all das, was die Frau an diesem Tag für ihren Lebensunterhalt hat.

Die Qualität ihrer Gabe ist es, was sie auszeichnet, nicht die Quantität.

Bei der KirchenCard zahlt man neben der Verwaltungsgebühr einen als „Spende“ bezeichneten monatlichen Betrag, über den am Ende des Jahres auch eine Spendenquittung ausgestellt wird. Eine „Spende“ zeichnet sich nach der gesetzlichen Definition dadurch aus, dass sie „selbstlos“ gegeben wird. – Es wird Sie jetzt nicht wundern, dass es mir äußerst schwer fallen würde, bei dieser KirchenCard von „Selbstlosigkeit“ der Gabe zu reden, ohne dabei gleichzeitig rot zu werden.

Die Rabatte, die man mit dieser Karte einstreichen kann, sind so groß, dass die Aufwendungen, die für Spende und Verwaltung zu entrichten sind, schon gar nicht mehr ins Gewicht fallen. Und für den Spenden-Anteil dieser Aufwendungen erhalten die Nutzer dann sogar noch eine Spendenquittung, die sie steuerlich geltend machen können.
Irgendwie geht mir die Selbstlosigkeit hier flöten.

Der Fairness halber sei noch hinzugefügt, dass es KirchenCard-Nutzern natürlich auch möglich ist, zu Gunsten des durch den Spendenanteil unterstützten Projektes auf ihre Rabatte zu verzichten. Dann kann man mit einem möglicherweise ohnehin anstehenden Kauf auch gleich noch etwas Gutes tun – und das in durchaus nicht unbeträchtlicher Weise. Und man erhält dann am Ende des Jahres immerhin eine Spendenquittung nicht nur über den Spendenanteil, den man für die Karte gezahlt hat, sondern auch noch über die Rabatte, auf die man zu Gunsten des Spendenprojektes verzichtet hat.

Kurt Tucholsky hat einmal gesagt: „Und das Ding möchte ich einmal sehen, das die Kirche nicht segnet, wenn sich das für sie lohnt“.

So sehr ich Tucholsky mag: Wir sollten uns in diesem Fall verkneifen, ihm posthum mal wieder Recht zu geben.

Daher: So lange die mit der KirchenCard zu erzielenden Rabatte nicht obligatorisch den Spendenprojekten zukommen, sondern auch im Portmonee des KirchenCard-Nutzers verschwinden können, werde ich diese Karte wohl nicht in meinen Fundraising-Instrumentenkasten aufnehmen. Denn für mich hat sie momentan mehr mit „Schnäppchenjägerei“ zu tun, als mit Fundraising.

Foto: S. Hofschlaeger – Quelle: www.pixelquelle.de

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