Der Glaube bestimmt den Blick auf die Welt – Andacht zu Markus 12,13-17

muenzen-kfm.jpg„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ Das kann leicht mißverstanden werden: Auf der einen Seite der Glaube, die Religiosität, der Gottesdienst, meine Beziehung zu Gott, abgehoben, ohne, dass dies mit der Welt zu tun hätte – auf der anderen Seite die Welt, ihre Strukturen, Wirtschaft, Konkurrenzkampf, Ellebogen, nach oben buckeln, nach unten treten, mit dem Evangelium kann man keine Politik machen. Das Reich Gottes und das Reich dieser Welt – und der christlich glaubende Mensch als eine Parallel-Existenz in beiden Welten.

Für mich grenzt eine solche Einstellung an Schizophrenie. Und ich bin überzeugt, dass eine solche Haltung nicht dem entspricht, was Jesus zum Ausdruck bringen wollte.

Ich glaube eher, dass es Jesu Anliegen war, deutlich zu machen, dass Christinnen und Christen in und mit ihrem Glauben auch für die weltliche Gesellschaft in Dienst stehen. Auch die Menschen, die sich als Nachfolgende Jesu von Nazaret sehen, stehen nicht außerhalb der Welt. Sie leben in ihr und in ihren Strukturen, auch in den staatlichen Strukturen, die sich die Menschen geben: Damals in Jesu Kontext in Israel das Kaiser-Reich mit dem Cäsar an der Spitze, heute in unserem Kontext in Deutschland eine demokratisch gewählte Regierung mit einer Bundeskanzlerin.

Das darf eine gewisse Solidarität jeder Christin und jedes Christen auch gegenüber dem Staat erwarten, den wir in unserer demokratischen Struktur selber bilden, und gegenüber der Regierung, die wir uns gewählt haben. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.“
Aber Jesu Worte zeigen auch ganz klar eine Grenze für diese Solidarität auf. Denn die erwähnte Solidarität bedeutet nicht bedingungsloser Gehorsam oder fraglose Unterordnung. Sondern wir sind herausgerufen, als kritische Bürgerinnen und Bürger dieses Staates das unter die Lupe zu nehmen, was Politik, Verwaltung oder Wirtschaft uns zu verordnen meinen müssen. Jede und jeder ist dazu ermuntert, zu prüfen und selbst verantwortlich zu entscheiden, wo staatliche Vorschriften zu erfüllen sind, wo wirtschaftliche Entwicklungen gutzuheißen sind, oder wo man die Erfüllung solcher Vorschriften aus Gewissensgründen verweigern bzw. bestimmten wirtschaftlichen Entwicklungen Einhalt gebieten muss. – Wobei man allerdings Gewissensgründe nicht mit „gewissen Gründen“ verwechseln sollte, was auch oft genug passiert.

Unser Blick als Christinnen und Christen auf den Staat und seine Vorschriften sowie auf die Wirtschaft und ihre Strukturen ist immer geprägt durch den Blick auf das Evangelium, unseren Glauben an einen liebenden, solidarischen, barmherzigen Gott: „Gebt Gott, was Gott gehört!“

Eine solche Perspektive hat Auswirkungen. Wir werden schnell in Konflikte kommen. Denn wir alle bezahlen mit unseren Steuern auch den Wehretat, moderne Waffensysteme, die schnelle Eingreiftruppe. Darf ich das? Und kann ich einem Staat zustimmen, der noch immer zu den größten Waffenexporteuren der Welt gehört? In fast allen Kleinkriegen wird auf beiden Seiten mit deutschen Waffen gekämpft und gemordet. Sicherung deutscher Arbeitsplätze auf Kosten anderer.

Oder unser ganz normaler Einkauf im Supermarkt oder im Kaufhaus: Warum sind so viele Produkte so billig? Weil sie billig produziert werden. Man denke nur an manche Turnschuhe von Markenherstellern wie Nike, die in Sweatshops in Asien unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen für Hungerlöhne produziert werden, und hier mit großer Gewinnspanne verkauft. Wer mehr wissen will, sollte das Buch „No logo“ von Naomi Klein lesen. Oder die vielen billigen Kleidungsstücke beim Discounter kik: Nur möglich wegen Billiglöhnen knapp über Hartz VI-Niveau und Aushilfen ohne bezahlten Urlaub und ohne Weiterbezahlung im Krankheitsfall.

Das sind alles Fragen auf dem Konfliktfeld zwischen dem, was dem Kaiser gehört, und dem, was Gott gehört. Vielleicht finden wir nicht alle zu der gleichen Antwort. Aber wir müssen uns als glaubende Christinnen und Christen immer die Frage stellen, welche Konsequenzen unser Glaube auf unser Leben und Verhalten im tagtäglichen Alltag hat – oder eigentlich haben müsste.

Foto: KFM – Quelle: www.pixelquelle.de

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